Geschichte
Berner Hackbrett
Alte Instrumente im Kanton Bern
Berner Hackbrett

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Die älteste Erwähnung des Namens Hackbrett finden wir im Zürcher Richtbuch von 1447. Im beschriebenen Gerichtsfall wurde ein Mann  wegen nächtlichen Hackbrettspiels angeklagt. Auch im Kanton Bern sind die ältesten schriftlichen Zeugnisse des Hackbrettspiels in den Chorgerichtsmanualen zu finden, welche von strafbarem Aufspielen zum Tanz berichten. Das Hackbrett war zu dieser Zeit das Instrument der Tanzmusiker und hatte einen entsprechend schlechten Ruf und wurde oft als „Lumpeninstrument“ bezeichnet.

Im 19Jh. hat die Hackbrettmusik als Touristenattraktion eine gewisse Bedeutung bekommen.  Die  1897 verstorbene  Anna Bühlmann-Schlunegger von den alten Grindelwaldner Hackbrett Anni genannt, spielte oft vor der Gletscher-Höhle, wo einige Wanderer vorbeikamen. Sie spielte, wie es auf den zahlreichen erhaltenen Bildern zu erkennen ist, mit der Technik des  Saitenreissens mit Bleistifthaltung. Sie war  eine bekannte und geschätzte Persönlichkeit. Nach ihrem Tod erschien sogar in der Zeitung „ECHO“ am 15.09.1897 ein Nachruf. “Am letzten Donnerstag verstarb nach kurzer Krankheit Frau Anna Bühlmann geb. Schlunegger im Alter von 86 Jahren. Dieses hochbetagte Mütterchen, im ganzen Kanton und ausserhalb desselben als „Grindelwaldner Hackbrettfraueli“ sehr wohl bekannt, hat seinen Geist aufgegeben.“

Ein anderes Hackbrettfraueli aus Grindelwald war  weniger bekannt. In der 2002 beim Mülirad Verlag erschienenen „Schweizer Volksmusik Sammlung aus dem Nachlass von Hanny Christen“ wurde ein Bild von der Hackbrettspielerin Elise Baumann-Boren  publiziert. Die Aufnahme, die Sie am Wegrand sitzend beim Hackbrettspiel zeigt, wurde im Jahr 1925 im Wärgistal gemacht. Paul Leibundgut, ein ehemaliger Zivilstandsbeamter von Grindelwald hat uns die Adresse von der Familie ermittelt. So haben wir erfahren, dass Elise Baumann Boren  in sehr einfachen, ärmlichen Verhältnissen lebte. Sie spielte bei allen Witterungen täglich an frequentierten Touristenwegen. Die milden Gaben bedeuteten ihr ein willkommenes Einkommen. Die Enkel haben das Instrument aufbewahrt und wir konnten dieses bei einem Besuch besichtigen.
In der ersten Hälfte des 20.Jh. finden wir im Kanton Bern keine Dokumente über das Hackbrettspiel. Die Tradition ist  eingeschlafen und wurde erst in den 1970.er Jahren von Christian Schwander wieder zu neuem Leben erweckt. Er spielte mit dem von ihm gebauten Instrument zahlreiche Konzerte. Seine Auftritte mit den „Bärnbieter Spiellüt“ haben wesentlich zur neuen Popularität des Hackbrettes - Musik beigetragen. Er gab auch Unterricht, unter anderem an der Musikschule des Konservatoriums Bern, wo heute noch zahlreiche Schüler das Hackbrettspiel erlernen.

Das Hackbrett fand bis ins 20.Jh als Instrument des Tanzmusikers wenig Beachtung und wurde oft als wertlos angeschaut. Die Instrumente wurden meistens nicht signiert, und so ist die Herkunft und Herstellungszeit bei den wenigen noch vorhandenen alten Instrumenten nur schwer zu bestimmen. Das älteste Instrument im Kanton Bern ist 1679 in Boltigen, Simmental gebaut worden. Das sehr gut erhaltene schöne Instrument ist in Privatbesitz in Basel. Im Freilichtmuseum Ballenberg sind zwei Berner Hackbretter ausgestellt.Im Museum Thun finden wir ein weiteres Hackbrett aus dem Kanton Bern. Alle bisher gefundenen alten Instrumente sind Unikate. In der Bauart sind gewisse Ähnlichkeiten zu erkennen, die auf eventuelle Vorbilder hindeuten können, die Unterschiede sind aber doch so ausgeprägt, dass man sie als Einzelanfertigung durch geschickte Handwerker betrachten muss.(Abbildungen)

Heute arbeiten im Kanton Bern mehrere bekannte Instrumentenbauer, die verschiedene Hackbretter herstellen. So kann jeder ein für ihn geeignetes Instrument auswählen.

 
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