Geschichte
Hackbrett
Alte Instrumente im Kanton Bern
Hackbrett

Die Geschichte des Hackbretts

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Heute ist das Hackbrett in verschiedenen Formen, rund um die Erde verbreitet. Von China bis Amerika und in annähern allen Staaten Europas finden wir Instrumente dieser Art. Sie werden heutzutage vorwiegend in der Volksmusik eingesetzt.

Die Wiege dieses Instruments lag nach unserem heutigen Wissen im Nahen Osten. Die erste Abbildung stammt aus Ägypten. Auf einer Steintafel 1400 v.Chr. ist eine Frau dargestellt, die mit zwei Schlegeln auf einem „Hackbrett“ spielt. Aus dem 8. Jh.v.Chr. stammt die in Mesopotamien gefundene Elfenbein-Dose auf deren Deckel  ebenfalls eine Frauenfigur mit einem Psalterium  abgebildet ist.

In der arabischen Welt war im Mittelalter das Quanun, ein Psalterium-Hackbrett welcher gezupft gespielt wurde, weit verbreitet. Während der arabischen Besetzung kam Instrument im 12 Jh.nach Spanien. Die erste Darstellung finden wir in der Kathedrale von Santiago de Compostella auf einem Werk von Meister Matteo aus dem Jahre 1184. Wahrscheinlich durch byzantinische Vermittlung erschien das Instrument zur gleichen Zeit nach Osteuropa. In der Kathedrale von Kiew zeigt ein Fresko aus dem XI Jh. eine Gusli, wie das Instrument in Russland heute noch heisst.

Die geschlagene Form – das nach heutiger Nomenklatur eigentliche Hackbrett – ist ebenfalls durch arabische Vermittlung aus Persien nach Europa gelangt. Aus dem XIII. Jh. stammt die älteste Abbildung, welche an der Fassade der Kathedrale Saint Nicholas in Civray einen  Engel mit Hackbrett darstellt.

Die älteste schriftliche Erwähnung eines geschlagenen Hackbrettes stammt bereits aus den 10 Jh. In der Lebensgeschichte des heiligen Dunstan Erzbischof von Canterbury(909-988) wird ein solches Instrument erwähnt. Diese  frühe  vor dem arabischen Einfluss unabhängig entstandene Beschreibung lässt an eine parallele europäische  Entwicklung denken. Da keine weiteren so frühen Beschreibungen oder Abbildungen zu finden sind bleibt  die Annahme einer  parallelen  Entwicklung nur eine Vermutung.

Die Verbreitung des Instruments in Europa erfolgt erst im 15. Jh. Im Spätmittelalter finden wir  zahlreiche  Bilder und Statuen mit Hackbrett-Darstellungen. In den Haushaltbüchern verschiedener Landesfürste werden unter den  Hofmusiker werden Hackbrettspieler erwähnt und einzelne wie Jean de Tournon sind auch  namentlich bekannt. Das Instrument findet  sowohl bei Tanzmusik als auch bei Kirchenmusik Anwendung. Es wird  zu dieser Zeit unter dem lateinischen Namen „Dulce melos“ beschrieben. Dieser Name taucht zum ersten Mal in einer Handschrift des Hofarztes und Astronomen Heinrich Arnold Zwolle aus Dijon auf (1440) Bei Paulus Paulinus de Praga wird das Dulce melos ausführlich beschrieben als Instrument mit rechtwinkligem Resonanzkasten, mit einer Schallöffnung und mit Metallsaiten bespannt. (Tractatus de musica 1460) Der Name Hackbrett taucht zum ersten Mal 1447 in den Ratsbüchern von Zürich auf: „der n(enen)nt Ackli hab das hackbrett geschlagen nieman ze lieb noch ze leid“  (Richtebuch 1447 B VI 216) Bereits in 1499 taucht die Bezeichnung Hackbrett auch in Augsburg auf. „ Das Steuerregister der Stadt Augsburg nennt in den Jahren 1499 bis1516 Bartelmo Schuster als Lauten- und Hackbrettbauer. Bartelmo wie er oft auch nur kurz genannt wird, ist damit der früheste namentlich erwähnte Hackbrettbaur“ (Schickhaus 2008) In der ersten gedruckten Instrumentenkunde beschreibt Sebastian Virdung (1511) das Hackbrett und zeigt in einer Abbildung ein Instrument mit mit 6 doppelchörigen Saiten bespannt. In 1619 beschreibt Michael Praetorius in seinem Syntagma musicorum ein mit 24 Saiten (5 dreifache und 4 doppelte Chöre  und eine einfache Basssaite) bespanntes Instrument.  Das Hackbrett wird in diesen Werken als „dörfliches oder Lumpeninstrument“ bezeichnet, was auf ein niedriges Ansehen hinweist. In beiden  Beschreibungen werden sowohl die geschlagene wie auch die gezupfte Spielweise erwähnt. Die zeigt, dass die beiden Spielarten nebeneinander existiert haben.

Im 18.Jh. hat das Instrument ein zweiter Höhenflug erreicht. Der Virtuose Pantaleon Hebenstreit modernisierte das Hackbrett. Seine Konzerte haben in ganz Europa grosses Aufsehen erweckt. Dank Ihm erreichte  das Instrument wieder grosse Popularität. es sind zahlreiche Kompositionen für Hackbrett entstanden, die von  bekannten Hackbrett-Virtuosen quer durch den  Kontinent aufgeführt wurden. Das Instrument wurde aber bald vom Klavier aus den Konzertsälen verdrängt. Erst Ende des 19.Jh. hat dank einer erneuten  Modernisierung das Hackbrett bzw. das Cimbalom wieder Platz in der klassischen Musik bekommen. Auch in der Volksmusik erlangte das Hackbrett wieder grosse  Popularität, die bis heute rund um die Welt anhält.

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